11.03.2015

Wissenswertes für Real- und Gesamtschüler zu Schulaufenthalten im Ausland

Köln. Bei Gymnasiasten beliebt, ist der Schüleraustausch für Realschüler noch immer eine Seltenheit. Mit dem Abschluss in der Tasche lohnt sich aber auch für sie der Weg ins Ausland. Wenn Real- und Gesamtschüler nach der zehnten Klasse ein High School Year absolvieren, ist das häufig mit einem Karriere-Kick verbunden. Viele bekommen den Ansporn Abitur zu machen, werden selbständiger, reifer und unabhängiger. Auch bei der Wahl und Suche eines Ausbildungsplatzes punkten sie mit ihren Sprachkenntnissen und grenzüberschreitenden Erfahrungen. Stipendien und Auslands-Bafög können bei der Finanzierung helfen.

Für Floris und seine Eltern stand nach dem Realschulabschluss fest, dass ein Schuljahr in Kanada folgen soll. „Es war uns als Eltern wichtig, dass ein strukturierter Rahmen gewährleistet ist. Der Vorteil liegt darin, dass man einfach den Kopf frei hat und keinen Druck bei der Fächerwahl“, sagt seine Mutter Ursula Groteclaes. Ihr Sohn wählte neben Englisch und Mathe Fächer wie Holzarbeiten, Sport und Fotografie. „Insbesondere, wenn man später eine Ausbildung anstrebt, kann man die Schule im englischsprachigen Ausland bereits nach bestimmten Schwerpunkten auswählen“, sagt sie. Auch Felix, den Sohn von Ulrike Seidel, zog es nach der Realschule zum Schulbesuch nach England. Schon vor seinem Abflug hat er einen Ausbildungsplatz sicher. „Da der Betrieb sehr beeindruckt war von Felix‘ Mut, so ein Jahr in seinem Alter durchzuziehen, haben sie den Aufnahmetest vorgezogen“, sagt die Mutter von drei Söhnen, die alle im Ausland waren. „Grundsätzlich waren alle Arbeitgeber sehr angetan. Die Jugendlichen zeigen mit diesem Jahr Charaktereigenschaften, die heute nicht mehr zwingend üblich sind, wie Durchhaltevermögen, Flexibilität, Offenheit für Neues, soziale Kompetenz und Mut“, beschreibt Seidel die Reaktionen.

Der richtige Zeitpunkt

Der Anteil von Real- und Gesamtschülern bei langfristigen Schulaufenthalten im Ausland ist trotz solch positiver Erfahrungen deutlich geringer als bei den Gymnasiasten. „Häufig werden diese Möglichkeiten an den Schulen nicht so stark beworben“, stellt Tasja Frenzel, Leiterin der Internationalen Schulprogramme bei den Carl Duisberg Centren fest. Empfehlenswert ist ein High School Year nach der zehnten Klasse, wenn der Realschulabschluss absolviert ist. Nach der Rückkehr kann es mit dem Abitur weitergehen oder eine Ausbildung startet. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Realschüler High Schools in englischsprachigen Ländern besuchen. Diese sind vergleichbar mit deutschen Gesamtschulen; Fächer können auf sehr unterschiedlichem Kursniveau belegt werden. Die praktische Kursausrichtung kommt den Schülern entgegen, denn viele Fächer können nach individuellen Interessen ausgewählt werden. Für Realschüler, die nach der zehnten Klasse den Weg ins Ausland suchen, ist diese Herausforderung häufig der Ansporn, später ihr Abitur zu machen. „Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich schon im Vorfeld des Auslandsaufenthaltes zu überlegen, was man nach seiner Rückkehr machen möchte und sich entsprechend zu organisieren“, sagt Frenzel.

Die Finanzierung

Das ist auch mit Blick auf die Finanzierung des Austauschprogramms wichtig. Schüler, die nach dem Auslandsaufenthalt weiter zur Schule gehen, können unter bestimmten Voraussetzungen Auslands-Bafög beantragen. Es gibt außerdem unterschiedliche Teilstipendien und Stiftungen wie das Programm „Schülerkolleg International“ des Tönissteiner Kreises oder die Kreuzberger Kinderstiftung, die Real- und Gesamtschüler bei ihrem Vorhaben, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen, finanziell unterstützen. „Jobben im Ausland ist nicht sinnvoll und vielfach auch nicht erlaubt“, sagt Frenzel. Deshalb ist die frühzeitige Planung von Finanzierung, Visum und der weiteren Schul- und Berufslaufbahn sinnvoll. „Wer sich für einen solchen Schulaufenthalt interessiert, sollte – wenn möglich – von der zukünftigen Schule beurlaubt sein, da neben dem Visum auch Versicherungen und das Kindergeld damit verbunden sind“, sagt die Expertin der Carl Duisberg Centren.

Das Schulprofil - High School

Die Quote der Realschüler ist bei den Austauschorganisationen aktuell noch im einstelligen Prozentbereich. Dabei stehen die Chancen für Real- und Gesamtschüler für ein erfolgreiches Auslandsjahr gut, sagt Frenzel: „Es kommt darauf an, motiviert und selbstbewusst zu sein und sich auf Englisch verständigen zu können. Das ist keine Frage der Noten oder der Grammatik, sondern der persönlichen Reife“, sagt sie. In den Auswahlgesprächen achtet die Organisation deshalb auf das Auftreten und die Kommunikationsfähigkeit. „Alle Schüler werden zu Interviews eingeladen, damit wir individuell entscheiden können, ob ein Auslandsaufenthalt möglich ist oder nicht.“ Gerade für Schüler, deren Englischkenntnisse noch nicht so gut sind, kann ein High School Year entscheidende Fortschritte bedeuten. „Es ist doch gerade sinnvoll, dass Schüler, deren Note eben nicht so gut ist, durch ein Auslandsjahr ihre Sprachkenntnisse verbessern“, sagt Ursula Groteclaes, Mutter des Austauschschülers Floris. Ihr Sohn wurde in verschiedenen Fächern individuell eingestuft und besuchte in Kanada in Mathe die zwölfte Klasse und in Englisch die Klasse zehn.


Talente, neue Ziele und sich selbst entdecken
Ob Real- oder Gesamtschüler, die Zeit in der Ferne hilft dabei, den eigenen Weg zu finden, neue Talente zu entdecken und sich über die Zukunft klar zu werden. „Im High School Year können Schüler sich ausprobieren. Es gibt Fächer, die sich schon für den zukünftigen Beruf eignen können, wie etwa Schreinern, Design oder EDV und Programmierung. Außerdem entfällt der Notenstress und viele bekommen plötzlich wieder Spaß an der Schule“, sagt Frenzel. Kochen, Tanzen, Werken, Sport oder Theaterspielen gehören zum festen Bestandteil des Fächerangebots vieler High Schools. Für die Rückkehrer bilden die positiven Erfahrungen in einem anderen Schul- und Lernsystem die Basis für das weitere Lernen im Heimatland.

„Viele steigen wieder ein und haben Lust, weiterführende Schulen zu besuchen. Sie sind dann allerdings in manchen Fällen bis zu zwei Jahre älter als ihre Mitschüler“, sagt Frenzel, Leiterin der Internationalen Schulprogramme bei den Carl Duisberg Centren. Ein solcher Auslandsaufenthalt fördert zudem die eigene Persönlichkeitsentwicklung und öffnet neue Horizonte. Ulrike Seidel hat ihre eigenen Erfahrungen mit den Auslandsaufenthalten ihrer Söhne gemacht: „Für uns stand nie im Vordergrund, einen höheren Schulabschluss zu erlangen oder für kommenden Ausbildungen vor zu lernen. Der Benefit kommt von ganz allein. Die Jugendlichen haben die Chance, ihre eigenen Stärken kennenzulernen, andere kulturelle Hintergründe zu erleben und unsere heute stark globalisierte Welt besser zu verstehen“, sagt sie. Real- und Gesamtschüler, die sich für einen Auslandsaufenthalt interessieren, sollten diesen Aufenthalt etwa sechs Monate bis ein Jahr vor Abreise planen.

Weitere Informationen: Carl Duisberg Centren, Internationale Schulprogramme, Hansaring 49-51, 50670 Köln, Tel.: 0221/16 26-207, Fax: -225, E-Mail: highschoolpixel@pixelcdc.de, www.carl-duisberg-schueleraustausch.de.

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