| Dr. Ute Klünder, Leiterin des Carl Duisberg Centrums in Hannover, berichtet im Interview über aktuelle Trends im Bereich Firmensprachtrainings. Das Interview erschien in der RegJo Hannover, Ausgabe 02/2010.
Frau Dr. Klünder, die Carl Duisberg Centren organisieren für große und mittelständische Unternehmen die sprachliche Weiterbildung. Was ist hier derzeit gefragt?
Die wichtigste Sprache ist natürlich nach wie vor Englisch, allerdings werden zunehmend spezialisierte, auf den Job zugeschnittene Englischtrainings gewünscht. Darüber hinaus nimmt Deutsch als Fremdsprache einen immer höheren Stellenwert ein. Denn auch wenn in internationalen Unternehmen hauptsächlich Englisch gesprochen wird, liegt den Firmen viel daran, dass ihre Impats sich in elementaren, alltäglichen Situationen auf deutsch verständigen können. Und zuletzt gibt es durch das Erstarken der asiatischen Märkte, insbesondere Chinas, auch mehr Bedarf an asiatischen Sprachen, die aber meiner Einschätzung nach Englisch als Nummer Eins der Fremdsprachen nicht verdrängen werden.
Bemerken Sie weitere Veränderungen bei der Fremdsprachenschulung für Unternehmen?
Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter gezielt und punktgenau für den Arbeitsalltag fit machen. Dies fordert vom Sprachkursanbieter eine Beratung und Weiterbildungsplanung, die sich am Bedarf des Unternehmens orientiert. Die Qualität eines Anbieters definiert sich somit nicht mehr nur über das Sprachtraining, sondern auch über die beratende Begleitung des Unternehmens.
Inwiefern beeinflusst dies Ihre Tätigkeit als Sprachkursanbieter?
Für Unternehmen ist es wichtig, dass der Erfolg eines Sprachtrainings messbar wird. Standards wie der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen machen den Sprachlernprozess bereits für alle Beteiligten, also Auftraggeber, Lernende und Sprachkursanbieter, transparenter. Wir als Weiterbildungsanbieter sind gefordert, Teilnehmern und Auftraggebern Instrumente zur Lernerfolgsmessung wie Tests an die Hand zu geben, deren Ergebnisse in eine Lerndokumentation einfließen.
Für wie sinnvoll halten Sie das E-Learning als Lernmethode?
Als Teilelement im Blended Learning spielt es eine große Rolle. Dieses Konzept verbindet die Effektivität und Flexibilität von elektronischen Lernformen mit den sozialen Aspekten der klassischen Kommunikation.
Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie für die nächsten Jahre?
Time is money. Da unsere Kunden wenig Zeit zum Sprachenlernen haben, müssen wir flexible, individuelle Lösungen schaffen. Neben punktgenauem Fremdsprachentraining entwickeln wir management skills wie Präsentationen und Teambildung in einer Fremdsprache sowie die Vermittlung interkultureller Kompetenz. Es liegt im Trend, dass Großunternehmen möglichst viel Weiterbildung aus einer Hand bekommen möchten, dadurch sind Anbieter wie die Carl Duisberg Centren im Vorteil, die überregional agieren können und mehrere Bereiche der beruflichen Weiterbildung abdecken.
Kommt man so Ihrer Meinung nach durch die Krise?
Gerade in schwierigen Zeiten ist sprachliche und interkulturelle Kompetenzentwicklung wichtig. In einer globalisierten Welt entscheiden Sprach- und Kulturkenntnisse über Erfolg und Misserfolg weltweiter Unternehmungen.
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